Jedes Gerät, das mit dem Internet verbunden ist, braucht eine eindeutige IP-Adresse, damit es auffindbar ist. Das lässt sich vergleichen mit der Angabe von Ort, Strasse und Hausnummer im Postverkehr.

Seit der Erfindung des Internets war bis vor kurzem die Version 4 des Internetprotokolles (IPv4) für diese Adresszuordnung sowie das Transportieren von Daten in Firmennetzwerken und im Internet im Einsatz. In den 90er Jahren startete jedoch bereits die Entwicklung der Version 6 des Internetprotokolles (IPv6), da schon damals vorausgeahnt wurde, dass der beschränkte Adressraum von IPv4 dem rasanten Wachstum des Internets nicht standhalten wird. Insbesondere neue Technologien wie Internet of Things (IoT) und sensorbasierte Überwachungs- und Steuerungssysteme haben einen hohen Bedarf an IP-Adressen, der bereits seit 2011 mit IPv4 nicht mehr gedeckt werden kann. Neue Geräte müssen darum via IPv6 angeschlossen werden und gewisse Hersteller forcieren dies in ihren Produkten: So zum Beispiel Microsoft Exchange oder der Apple AppStore, wo man nur noch Applikationen anbieten kann, die in einer reinen IPv6-Umgebung lauffähig sind.

Neben anderen Hochschulen ist auch die Universität Basel an einer reibungslosen Umstellung interessiert und befindet sich momentan mit der sukzessiven Einführung von IPv6 in einem langfristigen Prozess.

Diese Grafik zeigt, wie die Nutzung von IPv6 in den letzten Jahren zugenommen hat (Zahlen per 22. Juni 2019, Quelle https://www.google.com/intl/en/ipv6/statistics).

Laut der Website www.worldipv6launch.org sind von den international meistbesuchten Websites gemäss Top Alexa 1000 rund 25% schon heute über IPv6 erreichbar.


Ein normaler Internet- oder Netzwerkuser kommt mit der IP-Adresse und somit auch mit IPv6 nicht direkt in Berührung, denn die Adressierung der einzelnen Geräte in einem Netzwerk zu steuern, ist im Normalfall die Aufgabe der Internet Service Betreibenden (ISP) oder der Netzwerkadministration. An der Universität Basel kommen deshalb vor allem die Personen mit IP-Adressen in Berührung, die näher mit der Informationstechnik zu tun haben. Das sind konkret die IT-Services und Computerverantwortlichen - früher oder später aber auch Forschende. Dass die Version 6 des Internetprotokolls immer wichtiger wird, hat verschiedene Gründe. Die voranschreitende Digitalisierung und Trends zum Internet of Things oder der Industrie 4.0 führen zum Beispiel dazu, dass immer mehr Geräte an das Internet angeschlossen werden. Nicht nur Netzwerke, sondern auch alltägliche Gegenstände werden immer komplexer und benötigen eine kontinuierlich wachsende Anzahl an IP-Adressen. So wird zum Beispiel ein Auto in naher Zukunft bald weit mehr als einhundert davon benötigen. Nur mit dem Umstieg von IPv4 auf IPv6 kann dieser Flut an Adressbedürftigkeit entgegengekommen werden und die IT-Services sorgen an der Universität Basel für eine frühzeitige, sukzessive Umstellung. In der Regel dauert die Einführung eines neuen Internetprotokolls in einem grösseren Netzwerk mehrere Jahre und hat zum Beispiel einen Einfluss auf anzuschaffende IT-Geräte. Es reicht bei weitem nicht, nur das Netzwerk umzustellen: Häufig müssen Applikationen angepasst werden, damit sie in einem IPv6-Netzwerk benutzt werden können.

Die IT-Services der Universität Basel arbeiten schon seit 2016 an der Umsetzung und haben neben einer ausdifferenzierten Programmstruktur nicht nur ein IPv6 Transition Office (ITO) konstituiert, sondern arbeiten mit angepassten Beschaffungsrichtlinien, überarbeiteten Leitfäden und bieten interne Ausbildungen und Workshops für Mitarbeitende an. Mittlerweile wurde auch schon ein Internetzugang über IPv6 aktiviert und die ersten IPv6-Adressen werden in das neu entworfene Adresskonzept eingegliedert. Mit unserem Cisco Partner wurde ein IPv6-Readiness Profil der Infrastrukturgeräte erstellt und VPN outside für Remotezugriff unterstützt bereits das neue Internetprotokoll. Zusätzlich werden im extra für die Umstellung aufgebauten Lab Erfahrungen gesammelt. Die Einführung von IPv6 an der Universität Basel muss als sukzessives Programm verstanden werden und erfolgt schrittweise über mehrere Jahre hinweg. Betroffen sind letzten Endes alle Aspekte: Von Sicherungsmechanismen bis hin zu allen Applikationen, Diensten und Geräten, die am Netzwerk angeschlossen sind. In verschiedenen Bereichen sind die Anforderungen und Herausforderungen zum Teil sehr unterschiedlich, doch dieser Problematik kann mit einer langfristig geplanten Programmstruktur gut entgegengekommen werden. Die Einführung von IPv6 ist langfristig unumgänglich und essenziell, deshalb arbeiten weltweilt viele Institutionen schon seit einigen Jahren an dieser Umstellung. Einige Beispiele sind BMW, LinkedIn, Cisco, Microsoft, Swisscom, die Schweizerische Post, Postfinance, SBB, Facebook und viele andere mehr. Neben der Universität Basel befassen sich zudem auch andere Hochschulen mit der Umstellung auf IPv6, wie zum Beispiel die ETH, EPFL, Uni Bern, Uni Fribourg, CERN und im Ausland z.B. Oxford University, University of Pittsburg und die University of New Hampshire.

Eine frühe Umstellung von IPv4 auf IPv6 hat mehrere Vorteile. So ist heute schon beim Zugriff auf eine internationale Website der Zugang über IPv6 häufig schneller als über IPv4 und die Internet Service Provider haben dafür gesorgt, dass das weltweite Internet flächendeckend die Version 6 des Internetprotokolls unterstützt. In der Schweiz nutzen momentan rund 30% der Internetnutzer bereits IPv6, eine Zahl, die sich mit dem weltweiten Durchschnitt deckt. Eine rechtzeitige Einführung eröffnet die Möglichkeit, das eigene Vorgehen in Ruhe zu planen und verhindert, dass die Universität Basel nicht zu einem späteren Zeitpunkt zu einer überstürzten Umstellung gezwungen wird. Zudem können Geräte und Applikationen fortschreitend IPv6-fähig ersetzt werden, was die Kosten bei einer langfristig gedachten Umstellung zusätzlich verteilt. Die Frage ist nicht ob, sondern wann die Universität Basel mitzieht, denn schon in naher Zukunft werden IPv6-only Produkte und Lösungen kommen, der Support von Herstellern bei ausgeschaltetem IPv6 eingestellt werden und IPv6 ist in einer unvorbereiteten, nicht gemanagten Umgebung ein Sicherheitsrisiko. Dennoch gilt der Leitsatz «Ruhe bewahren», denn bei guter und vorausschauender Planung werden die Nutzenden kaum etwas von der Umstellung bemerken.